Berichte

Wetterumschwung am Mont Blanc


Bericht einer Bergtour - aufgeschrieben von Manfred Strube


Jetzt war es also soweit - wir waren unterwegs zum Mont Blanc!!!

Von unserem "Basislager", dem fast 2.000 m hoch gelegenen Hotel Genzianella im Örtchen Pont am Ende des Valsavarenche, fuhren wir am 2. August 2006 talwärts Richtung Aostatal. Ziel war zunächst ein vereinbarter Parkplatz bei Arvier, auf dem wir unsere beiden Bergführer treffen würden. Dann sollte es weiter gehen durch den Mont Blanc Tunnel nach Chamonix.

 

 

"Wir" - das waren Werner Weih, Walter Engelhardt und ich, sowie unsere Frauen Beate Engelhardt und Heidi Strube, die uns bis Chamonix begleiten wollten (Bild 1).

Drei Tage vorher - am 30. Juli 2006 - hatten wir drei Männer und Beate bereits bei herrlichem Wetter den Gipfel des Gran Paradiso (4.061 m) erstiegen und konnten nicht genug bekommen von der Aussicht auf ein Bergpanorama, zu dem neben der Mischabel-Gruppe, Monte Rosa und Matterhorn natürlich auch die eindrucksvolle Gestalt des Mont Blanc Massivs gehörte.

Als sich bei unserer Fahrt das Aostatal öffnete, lag es plötzlich wieder vor uns dieses Bergmassiv - deutlich näher als vor drei Tagen. Wir hielten spontan an, um zu fotografieren. Keine Wolke versperrte die Sicht auf die "Riesentreppe", die über den Mont Blanc du Tacul

und den Mont Maudit auf den Gipfel des Mont Blanc führt (Bild 2).

 

Und genau das war auch unsere geplante Route. Dazu mussten wir von Chamonix aus

mit der Seilbahn zur Aiguille du Midi auf 3.842 m hinauffahren und von dort zur Cosmiques-Hütte (3.613 m) absteigen. Dort lag der Startpunkt der Tour, für die wir allein für den Aufstieg mindestens 6 Stunden und - wegen der Zwischenabstiege - mindestens 1.600 Höhenmeter veranschlagen mussten. Und dann das Ganze natürlich wieder retour, versteht sich!

 

 

Diese Tour hatte es also in sich. Sie war deutlich schwieriger und anstrengender als der Normalanstieg von der Gouter-Hütte, hatte aber auch entscheidende Vorteile. Ausschlaggebend war für uns vor allem die Vermeidung der - laut Internet-Schilderung - durch den großen Zulauf auf der Gouter-Route verursachten teils unwürdigen Zustände bezüglich Übernachtung, Verpflegung etc.

An unserem Treffpunkt mit den beiden Bergführern angekommen, hatten wir noch etwas Zeit. Wir fanden ein kleines Bistro, wo wir draußen sitzen, ein Sandwich essen und tschechisches (!) Bier trinken konnten.

Unsere Bergführer Alex und Daniel erwiesen sich als drahtige junge Männer, die allerdings ebenso wenig deutsch sprachen wie wir italienisch oder französisch. Also verständigten wir uns auf englisch, was auch einigermaßen funktionierte.

In Chamonix an der Seilbahnstation erlebten wir erstmal einen kleinen Schock. Die Schlange an der Kasse war vielleicht 50 m lang und am Eingang zu den Kabinen drängten sich die Massen. Alle wollten bei dem schönen Wetter mitten hinein ins Hochgebirge schweben. Offensichtlich handelte es sich überwiegend um Touristen, deren Ziel die Aussichtsterrasse auf über 3.800 m war.
Unsere Bergführer beruhigten uns jedoch. Sie hießen uns, unsere Ausrüstung auf einen Haufen zu stapeln und uns für eine knappe Stunde in Chamonix umzusehen. In der Zwischenzeit wollten sie sich um die Tickets für die Seilbahn kümmern.

Viel bekamen wir nicht mit von Chamonix - ein lebhaftes aber nicht unsympathisches Städtchen mit vielen Läden, Bars, Restaurants etc. und viel "Betrieb" auf der Straße.

Als wir zur vereinbarten Zeit zur Seilbahnstation zurückkehrten, hatte sich der Trubel dort überraschenderweise gelegt. Der Andrang nach oben, nur der Aussicht wegen, hatte stark nachgelassen. Schuld daran waren neben der fortgeschrittenen Zeit offenbar auch die aufgekommenen Wolken.

Der Mont Blanc war bereits bei unserem Spaziergang in Chamonix nicht mehr zu sehen gewesen. Als wir jetzt am Seilbahneinstieg standen, sahen wir die hinauf- und hinabschwebenden Kabinen spektakulär als Punkt in den Wolken verschwinden bzw. daraus auftauchen (Bild 3).

 


An der Bergstation angekommen, waren auch wir erstmal überwältigt von der sich bietenden Aussicht. Unter uns lag ein waberndes Wolkenmeer, aus dem die Felsnadeln und Eiskuppen des umliegenden Gebirges herausragten (Bild 4).

 

 

Nachdem wir das Panorama gebührend bewundert hatten, begann mit der ersten Etappe, dem Abstieg zur Cosmiques-Hütte, quasi "der Ernst" des Unternehmens Mont Blanc. Von der Bergstation gelangt man durch einen Stollen bis an ein niedriges, leicht zu übersteigendes Gatter, das sozusagen die äußere Grenze für Touristen darstellt. Ab hier geht es angeseilt und mit Steigeisen weiter, denn danach wird man unmittelbar mit dem ziemlich "luftigen" und schmalen Ostgrat konfrontiert. Dieser führt zunächst steil abwärts, wird dann aber bald flacher und mündet im Col du Midi (3.532 m), einem breiten Gletscherkessel.

 

 

Die Bilder 5 und 6 zeigen unsere beiden Seilschaften, Bergführer Alex (hinten) mit Walter und Werner und Bergführer Daniel mit mir. Die beiden Bilder, die unmittelbar nacheinander aufgenommen worden sind, dokumentieren auch die wechselnden Sichtverhältnisse am Col du Midi.

Nach kurzem Anstieg aus dem Col du Midi erreichten wir die Cosmiques-Hütte, die bei unserer Ankunft am späten Nachmittag wieder völlig vom Nebel eingehüllt war. Die auf die Felsen "aufgepfropfte" Hütte ist relativ geräumig und machte innen mit ihren hellen, bemalten Holzbalken einen freundlichen Eindruck (Bilder 7 und 8).

 

 

Und sie war schätzungsweise nur zu einem Drittel belegt!

Auf dem Lager konnten wir uns nach Herzenslust ausbreiten. Nichts von der Enge und dem Gedränge, wie wir es des öfteren schon auf Berghütten angetroffen hatten. Wir führten diesen für uns erfreulichen Umstand auf zwei Ursachen zurück, nämlich auf die vergleichsweise höhere Schwierigkeit der von hier ausgehenden Route und darauf, dass kein Wochenende war. Hoffentlich lag es nicht hauptsächlich am Wetterbericht...

Das Abendessen auf der Hütte, bestehend aus Suppe mit Brot und Käse, Fleisch und Reis als Hauptgericht sowie Bratapfel mit Karamelsoße als Nachtisch war ausgesprochen schmackhaft - offenbar waren wir also wirklich in Frankreich.Nach dem Abendessen rissen überraschend die Wolken noch mal auf. Die aus dem Col du Midi aufsteigende, fast 700 m hohe, steile Eisflanke auf die Schulter des Mont Blanc du Tacul lag unmittelbar vor uns. Wir bekamen Respekt bei dem Gedanken, dass wir in der Nacht dort hinaufsteigen würden

(Bild 9).


 

Der Wetterbericht für den kommenden Tag - unser geplanter Gipfeltag - war alles andere als gut. Er hing in der Hütte zwar nur in französischer Sprache aus, aber das reichte bereits. Auf meine Frage, ob wir überhaupt eine Chance hätten, antworteten unsere beiden Bergführer ausweichend. Zumindest den Mont Blanc du Tacul sollten wir aber schon erreichen. Also abwarten und Tee trinken (im wahrsten Sinne des Wortes).

Um 01:00 Uhr Wecken, 02:00 Uhr Aufbruch - das war der Fahrplan für den kommenden Morgen. Wir bereiteten alles vor, überprüften noch mal unsere Ausrüstung (nur nicht zu viel mitnehmen!) und überlegten, was wir anziehen (nicht zu warm anziehen!).

Ich beschloss, 1,5 Liter zu trinken mitzunehmen, verteilt auf 3 Flaschen. Ein Drittel davon sollte aus (am Morgen aufzufüllendem) heißem Wasser bestehen, damit bei der ersten Rast nicht nur total ausgekühlte Getränke verfügbar waren.
Auf unser Trinksystem verzichteten wir, da wir befürchteten, dass die Flüssigkeit im Plasteschlauch einfrieren könnte.

Noch vor 21:00 Uhr machten wir es uns auf dem Lager bequem. Genug Platz war ja da. Ich brauchte etwa 2 bis 3 Minuten bis ich mich in meinen Hüttenschlafsack eingehüllt und eine Decke über mich gezogen hatte. Nach dieser "Bodenturnübung" stellte ich leicht überrascht fest, dass mir das Herz bis zum Halse schlägt und ich ziemlich außer Atem bin. Es machte sich eben doch bemerkbar, dass wir uns auf einer Höhe von ca. 3.600 m befanden. Eben aus diesem Grunde war bei mir auch an Schlafen nicht zu denken. Wenn ich mich auf meine Schlafseite drehte und durch die Nase atmete, bekam ich einfach zu wenig Luft.

Die Zeit verging und irgendwann fiepte der erste Wecker - es war Zeit aufzustehen. Es begann die Stunde, die ich bei solchen Bergtouren am meisten verabscheue. Man schält sich aus dem angenehm warmen Lager und beginnt, im trüben Licht der Stirnlampe und keineswegs ausgeschlafen, seine Sachen zu sortieren. Der Kopf funktioniert noch etwas langsam - auch wenn man alles sorgsam bedacht und bereitgelegt hat.
Dann geht es zum "frühstücken". Alles was ich (um diese Zeit!) zur Not runterkriege, ist ein Butterbrot mit Marmelade. Und auch das nur, weil ich mich dazu zwinge. Den ansonsten abligatorischen "Morgenschiss" kannst du vergessen. All das läuft unter einem gewissen Zeitdruck ab, immer musst du aufpassen, dass du nicht der Letzte bist und die anderen bereits auf dich warten.

Ich war trotzdem der Letzte. Während ich noch meine Bergschuhe anzog und Steigeisen und Pickel schnappte, standen die anderen bereits vor der Hütte. In der Eile fand ich zu allem Überfluss nicht gleich den Ausgang. Ich geriet in die Privaträume des Hüttenwirtes und handelte mir einen ordentlichen Anschiss ein.
Auch das Anlegen der Steigeisen ist keine angenehme Beschäftigung. Zusammengekrümmt fummelt man an den Riemen und schnappt nach Luft, während die anderen darauf warten, dass es endlich losgeht.

Dann ging es los!
Wir formierten uns und stiegen abwärts zum Col du Midi. Und genau das ist der Moment, wo sich bei mir die Gefühle "umkehren". Endlich ist man in Bewegung, sucht seinen Rhythmus und weiß, jetzt gilt es! Vorfreude stellt sich ein auf ein Bergerlebnis, auf das man lange hingearbeitet hat und das jetzt Realität ist.

Allerdings standen die Vorzeichen nicht allzu günstig. Es war nicht kalt (so knapp unter Null Grad) und es schneite leicht. Als wir durch die Gletschermulde stapften und im engen Sichtfeld der Stirnlampe die Schneeflocken wirbelten, kam mir Weihnachten in den Sinn - leise rieselt der Schnee - im August.
Dann begann der Aufstieg über die steile Flanke des "Tacul". Jetzt war kein Raum mehr für abschweifende Gedanken.
Ich hatte vollauf damit zu tun, mich auf jeden Tritt zu konzentrieren und bei den wechselnden Passagen den Rhythmus nicht zu verlieren. Es gab flachere Stellen, die uns keine Probleme bereiteten. Dann wurde es wieder so steil, dass ich mich bei dem vom Bergführer vorgegebenen Tempo bereits am Limit bewegte.
Einzelne Passagen wiesen eine Neigung von ca. 50 Grad auf, so dass man sich auf "allen Vieren" bewegen und den Eispickel als Steighilfe benutzen musste. Der Neuschnee in der Spur erleichterte dabei nicht gerade das Vorwärtskommen.

Bei diesem Aufstieg hatten wir kaum einen Blick für die Umgebung. Soweit es der Lichtkegel der Lampen zuließ, sahen wir gelegentlich mal einen Eisüberhang oder den Rand einer Spalte. Auf jeden Fall waren wir uns bewusst, dass es kein einfaches Terrain war, in dem wir uns bewegten.
Einmal hielten wir kurz inne, als weit unten die Lichter von Chamonix zu sehen waren. Das gab uns etwas Hoffnung, dass sich das Wetter doch noch bessern könnte.

Diese Hoffnung zerschlug sich augenblicklich, als wir nach knapp zwei Stunden Aufstieg die Schulter des Mont Blanc du Tacul erreicht hatten. In diesem ungeschützten Bereich fiel der Wind mit voller Wucht über uns her. Die Schneeflocken kamen jetzt waagerecht angeflogen und der Wind riss jedes Wort von den Lippen. Es war sofort klar, dass unter diesen Bedingungen ein Weitergehen nicht zu verantworten war.

Ich fragte Daniel, ob wir wenigstens noch bis zum Gipfel des Mont Blanc du Tacul weitergehen könnten. Nach kurzer Verständigung stimmten unsere Bergführer zu und wir stiegen den relativ breiten und vom Wind frei geblasenen Rücken weiter aufwärts. Man konnte auf dem harten, schneefreien Firn deutlich besser gehen als vorher in der Flanke.

Im Gipfelbereich des Mont Blanc du Tacul machten wir eine kurze Rast. Alex zeigte mir auf seinem Höhenmessgerät, dass wir eine Höhe von etwas über 4.200 m erreicht hatten. Hier würden wir umkehren.
Es war natürlich immer noch stockdunkel und der Sturm blies unvermittelt heftig. Für Mont Blanc-Verhältnisse war es allerdings recht warm, keinesfalls kälter als minus 5°C. Ich beschloss, unter diesen Umständen meine nagelneue "High-Tech-Jacke" im Rucksack zu lassen und nur in der Fließjacke auch wieder abzusteigen. Ich wollte nicht riskieren, dass mir beim Hantieren mit den Klamotten vielleicht ein Handschuh weggeblasen wird oder ähnliches.

Beim Abstieg über die Schulter des "Tacul" hatten wir jetzt den Wind von vorn. Die zu langen Schlaufen meines Klettergurtes schlugen mir ständig heftig ins Gesicht und ich konnte immer schlechter sehen, da meine Brillengläser zu vereisen begannen. Da ich als erster ging, hatte ich Mühe, die Richtung zu halten und Daniel musste mich durch einen kräftigen Stoß mehrmals wieder "auf Kurs" bringen.

Als wir in die steile Flanke einstiegen, ging bei mir gar nichts mehr. Ich sah nur noch einen verschwommenen Lichtkreis vor mir. Da ich nicht sehen konnte wo ich hintrete, stürzte ich zweimal und musste mich mit dem Pickel halten.
Jetzt war Schluss, so ging es nicht weiter. Ich machte meinem Bergführer klar, dass ich absolut nichts sehen kann und schrie ihm zu: "I must take off my glasses." Danach - ohne Brille - ging es sofort erheblich besser. Trotz des Neuschnees konnte ich die Konturen der Aufstiegsspur gerade noch erkennen. Nur manchmal zögerte ich und musste mich vergewissern, dass wir auf dem richtigen Weg waren.

 

 

Natürlich ging es abwärts leichter. Bald hatten wir uns auch daran gewöhnt, dass man bei den steileren Passagen im Schnee erstmal ein Stück abwärts rutschte, bevor die Steigeisen griffen. Wir erkannten einige Passagen vom Aufstieg wieder und waren uns im Klaren, dass wir nach wie vor sehr konzentriert bleiben mussten.

Mehrmals hörte ich von hinten Rufe wie "Hunger" oder "Pause machen" etc. Nichtsdestotrotz stiegen wir unbeirrt weiter.

 

 


Der Neuschnee hatte die Eisflanke nicht ungefährlicher gemacht, es schneite immer noch heftig und wir wussten, dass wir erst im Col du Midi wieder "auf sicherem Boden" waren. Im Gletscherkessel machten wir dann endlich eine kurze Rast (Bild 10). Mir ging es auch darum, diese Tour wenigstens durch ein paar Fotos zu dokumentieren, denn dazu hatten wir bis dahin keine Gelegenheit gehabt.

An trinken oder gar essen dachte ich persönlich überhaupt nicht - was sich noch als Fehler herausstellen sollte.

Morgens gegen 6 Uhr waren wir wieder an der Cosmiques-Hütte. Walter und Werner scheinen die Anstrengungen gut weggesteckt zu haben. Ich dagegen sehe ziemlich mitgenommen aus (Bilder 11 und 12).

 


 

In der Hütte herrschte noch Nachtruhe - was auch sonst. Die mit uns in der Nacht aufgebrochen waren, waren schon längst wieder umgekehrt und lagen in der Koje. Und für die, die gar nicht erst losgegangen waren, gab es auch keinen Grund, um diese Uhrzeit herumzugeistern.
Also legten wir uns auch noch ein wenig auf`s Ohr. Der Gedanke, etwas zu essen, kam mir nicht. Und meine Getränke - inklusive das "heiße Wasser" vom Aufbruch, waren eisgekühlt.

Gegen 9 Uhr - ich musste doch eingeschlafen sein - kam Unruhe auf. Es wurde sauber gemacht und unsere Bergführer rüsteten zum Aufbruch. Immerhin stand uns noch der Aufstieg zur Seilbahnstation bevor.

Wieder musste ich mich beeilen, um die anderen nicht warten zu lassen. Wieder vernachlässigte ich die für meinen Körper wichtige Flüssigkeits- und Energiezufuhr.

Erst mit dem Aufbruch wurde mir bewusst, dass sich das Wetter keineswegs gebessert hatte. Es stürmte und schneite immer noch.
Die etwa 300 Höhenmeter Aufstieg aus dem Col du Midi zur Seilbahnstation erwiesen sich für mich als echter Härtetest. Der Grataufschwung war auch wegen des vielen Schnees schlecht zu gehen und ich musste mich ziemlich quälen. Öfter musste ich eine kurze Pause einfordern, um mich schwer keuchend auf meinen Eispickel zu stützen und wieder Luft zu kriegen. Aber nach einigen Sekunden ging es jedes Mal weiter.

Dann waren wir endlich oben. Wir erreichten das bereits erwähnte Gatter und konnten die Steigeisen ablegen.

Wir erwarteten bei diesem Wetter eigentlich keine Touristen hier oben. Von wegen - eine Gruppe Japaner (wer auch sonst) erwartete uns mit schussbereitenKameras. So wie wir uns da über den Grad heraufgekämpft hatten - eis- und schneebedeckt und in voller Ausrüstung - waren wir für sie offenbar die Attraktion des Tages.

Dann schwebten wir nach unten in den Regen von Chamonix hinein. Der Regen störte uns nicht. Ich war - ehrlich gesagt - froh, wieder da unten zu sein.

Jetzt riefen wir auch unsere Frauen an. "Gott sei Dank" war die erste Reaktion am Telefon, nachdem ich mich gemeldet hatte.
Natürlich hatten sie sich Sorgen gemacht. Auch in Pont war das Wetter umgeschlagen. Es war ungemütlich und hatte kräftig geregnet. Heidi und Beate hatten sich ausgemalt, wie es wohl oben auf unserer Aufstiegsroute zum Mont Blanc aussehen würde...

 


Wie sieht nun das Fazit unserer Mont Blanc Tour aus.

Natürlich bedauerten wie es, dass wir nicht auf dem Gipfel waren. Aber was soll`s, gegen das Wetter waren wir machtlos, das konnten wir nicht planen. Der Wetterumschwung war für uns einen Tag zu früh bzw. wir waren einfach einen Tag zu spät gekommen.

Immerhin hatten wir innerhalb weniger Tage mit dem Gran Paradiso und dem Mont Blanc du Tacul zwei ordentliche Viertausender bestiegen. Und wir hatten Wetterbedingungen im Hochgebirge hautnah erlebt, die wir bisher nur "vom Hörensagen" kannten.
Nicht zu vergessen -wir hatten im Nationalpark Gran Paradiso ein tolles Wandergebiet kennen gelernt und einige sehr schöne Touren unternommen.

Das heißt - im Grunde waren wir eigentlich ganz zufrieden!