Wanderberichte

Reif für die Insel - Wandern auf Mallorca
aufgeschrieben von Manfred Strube

 

Wenn der Name Mallorca fällt, denken viele sofort an Massentourismus und „Ballermann“.
Natürlich reiht sich auf den Strandpromenaden der Urlaubsorte ein Lokal an das andere. Deutsche Bratwurst, Brathähnchen, Schnitzel mit Pommes, deutsches Bier – man hat an diesen Orten nicht unbedingt den Eindruck, im Ausland zu sein. Aber klar ist auch, dass das allein bei weitem nicht Mallorca ausmacht. Und deshalb hatten wir beschlossen, die Insel etwas näher kennenlernen und zwar auf einem einwöchigen Wanderurlaub rund um das Osterwochenende 2011.

 

Mittwoch, 20. April 2011 - Anreise

 

Was macht man nachts 1 Uhr am Friedhof in Bad Salzungen – natürlich auf den Bus warten in Richtung Erfurt. Bequem und sicher brachte uns Steffen von „Kraft Reisen“ zum Flughafen, der morgens gegen 3 Uhr noch im Tiefschlaf lag. Irgendwann öffnete dann ein Bistro und es duftete verführerisch nach Kaffee und Hörnchen. Pünktlich 5 Uhr hob unsere Maschine ab und bereits 2 Stunden später waren wir in Palma gelandet. Hier ist ungleich mehr Betrieb als in Erfurt und die Größenverhältnisse erinnern eher an den Flughafen Frankfurt. Mit dem Bus ging es weiter in den Südwesten der Insel. Und bereits gegen 9 Uhr hatten wir unser Ziel, das Hotel Morlans Garden in Paguera, erreicht. Die junge Frau an der Rezeption mit Namen Isabella ist nicht nur attraktiv sondern auch ausgesprochen nett und kompetent. Schnell hatten wir unsere Zimmer und die Stimmung war – trotz des fehlenden Schlafes - bestens.

 


Donnerstag, 21. April 2011 - Klosterruine La Trappa

 

Den Anreisetag hatten wir genutzt, um den Ort Paguera – ein typischer Touristenort, wie oben beschrieben - zu erkunden. Wir hatten unsere Wanderführerin Anita und ihren Mann Roy kennengelernt und jetzt freuten wir uns auf die erste Wanderung. Um 9 Uhr stiegen wir in die beiden Transporter. Anita hatte Pünktlichkeit angemahnt, denn reguläres Parken war in der engen Straße vor dem Hotel nicht möglich. Nach etwa halbstündiger Fahrt stellten wir uns zum obligatorischen Startfoto. Das Wetter war kühl und „durchwachsen“. Pünktlich zu Beginn unserer Wanderwoche hatte sich für Mallorca eine Störungsperiode angekündigt, während in Deutschland hochsommerliche Temperaturen herrschten. Wie man sieht, tat das unserer Stimmung keinen Abbruch, schließlich waren wir nicht zum Strandurlaub angereist. Unsere erste Wanderung führt über gut ausgebaute Eselskarrenwege und teilweise über schmale Pfade durch die

 

Startfoto zur ersten Wanderung

 

einsame Küstenregion im Südwesten. Wir beobachten wild lebende Ziegen, freuen uns an der Blütenpracht zahlreicher Pflanzen und genießen die Ausblicke auf die Küste.

 

Ginster und Aphrodil



Um die Mittagszeit erreichen wir die aufwändige Terrassenanlage um die Klosterruine La Trappa, errichtet von französischen Trappistenmönchen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Hintergrund ist die Dracheninsel – Sa Dragonera – zu sehen. Ihren Namen verdankt sie ihrer Form, aber es leben dort auch bestimmte Echsenarten.

 

 


Freitag, 22. April 2011 - La Granja und Sa Foradada


Morgens beim Aufstehen schien noch die Sonne. Als wir jedoch beim Frühstück sitzen, setzt plötzlich prasselnder Regen ein. Anita hatte natürlich sofort den Wanderplan geändert und so steuern wir zunächst das Gut La Granja an. Es wurde vom jetzigen Eigentümer restauriert und gibt als eine Art Museum dem Besucher Einblicke in die weitgehend auf Selbstversorgung ausgerichtete Lebensweise der früheren Besitzer. Man hatte seine eigenen Nahrungsmittel, stellte selbst Wein, Olivenöl, Stoffe und sogar Parfüm her. Und wer nicht spurte, dem wurde in der hauseigenen Folterkammer "Räson" beigebracht.

 

Ja, auch Frauen!


Zum Abschluss konnte man Wein verkosten und sich dabei selbst am Fass bedienen. Außerdem wurden hausgemachte Produkte (Wurst, Käse, Marmelade etc.) angeboten.

 


Als wir La Granja verließen, schien bereits wieder die Sonne. Unser nächstes Ziel war eine Wanderung zum „Gelochten Felsen“ – Sa Foradada.

 


Wir erfuhren dabei, dass viele Ländereien auf Mallorca in Privatbesitz sind. Das gilt dann auch für offizielle Wanderwege, die über den Besitz führen. Und so klettern denn alle brav über ein Tor, eine vom Besitzer geduldete Verfahrensweise, die aber doch irgendwie widersinnig ist.

 


Samstag, 23. April 2011 - Künstlerdorf Deia


Wieder begrüßt uns der Tag mit Regen. Eine Wanderung in den Bergen können wir vergessen. Wir fahren erst mal in Richtung Soller. Nachdem wir einen mautpflichtigen Tunnel passiert haben, sieht es wettermäßig etwas besser aus. Malerisch sehen wir den Hafen Port de Soller unter uns liegen.

 

 

Beindruckend sind auch die uralten Olivenbäume, deren Stämme abenteuerliche Formen aufweisen.



Wir machen Rast auf einer in französischem Besitz befindlichen Finca und trinken frisch gepressten Orangensaft. Später passieren wir mächtige Steineichen und erreichen schließlich das Künstlerdorf Deia. Hier wurde mal eine bekannte Fernsehserie gedreht...

 

...das "Hotel Paradies"


Zurück in Paguera gilt es noch ein besonderes Ereignis zu würdigen – nämlich den Hochzeitstag von Werner und Ingrid, die bekanntlich vor nunmehr 7 Jahren an einem Ostersonnabend während einer Wanderung geheiratet hatten.

 

Ostersonntag, 24. April 2011 - Eine Bahnfahrt die ist lustig...

 

Es war unser „freier Tag“, d. h. wir mussten selbst etwas unternehmen. Die Befürworter einer Fahrt mit der Straßenbahn, Baujahr 1922, vom Hafen in die Stadt Soller und anschließender Reise mit dem „Roten Blitz“, einer alten Schmalspurbahn, durch die Serra de Tramuntana hatten eine klare Mehrheit.

 


Also ging es zunächst mit dem Bus nach Port de Soller. Die anschließende Fahrt mit der Straßenbahn auf der 1913 eingeweihten Strecke vom Hafen in die Stadt ist zweifelsohne eine Attraktion. Außerdem ist dank der Bahn seit 2007 die Uferstraße in Port de Soller autofrei, was den Ort für Besucher deutlich attraktiver macht.

 

Die alte Siemensbahn


In Soller war zumindest Zeit für einen Bummel und ein paar Tapas. Dann ging es mit der alten elektrischen Siemensbahn, Baujahr 1927, in gut gepflegten Holzwaggons weiter. Die von 1905 bis 1912 erbaute Strecke führt von Soller durch das Tramuntana-Gebirge bis nach Palma. Sie sollte den Hafen entlasten, der bis dahin die einzige Handelsanbindung für das „hinter den Bergen“ gelegene Soller darstellte. Wir fuhren mit bis Bunyola und lernten damit den interessanteren, landschaftlich schöneren und mit einigen Tunneln durchsetzten Teil der Strecke kennen.

 

 

Montag, 25. April 2011 - Tapas in Galilea

 

Immer noch kein Wetter für das „Dach der Welt“, wie eine Wanderung im Bereich des Puig Major, des mit 1445 m höchsten Berges auf Mallorca, genannt wird. Aber Anita hat an die 60 Wanderungen im Angebot und irgendwo findet sie immer eine Ecke auf der Insel, wo das Wetter ganz passabel ist.
Wir bleiben im Südwesten und starten unsere Wanderung in einem noblen Villenviertel oberhalb irgendeiner Ortschaft. Das erste Ziel ist der schon von weitem sichtbare Puig de na Bauca. Dieser freistehende Berg ist eine imposante Erscheinung, obwohl er nur 614 m hoch ist. Der zwar kurze aber heftige Aufstieg erfordert denn auch eine gewisse Portion an Trittsicherheit und Kondition, zumal er durch umgestürzte Bäume teilweise noch behindert wird.

 

 

Nach dem Abstieg nehmen wir Kurs nach Galilea, wo es die besten Tapas der ganzen Insel geben soll. Kurz vor dem Ort posieren wir noch einmal vor der Kamera mit dem gerade „bezwungenen“ Berg im Hintergrund.
Dann nehmen wir Platz auf einer Terrasse, Krüge mit Rotwein werden gebracht und es geht los mit den Tapas. Ein Teller mit knusprigem Brot mit Olivenöl, Tomate und Knoblauch ist so schnell leer, dass sofort Nachschub geordert werden muss. Auch die übrigen angebotenen Tapas halten, was Anita versprochen hat. Und der Rotwein dazu – es braucht manchmal nicht viel, um happy zu sein. Aber im Ernst, hier liegt der Unterschied zwischen dem ursprünglichen Mallorca und den Strandbars in den Touristenorten.

 

Dienstag, 26. April 2011 - Doch noch das "Dach der Welt"

 

Heute geht es in die Berge. Das Wetter hat sich besonnen und ermöglicht uns am letzten Tag vor der Abreise doch noch eine Wanderung im Hochgebirge. Über Soller fahren wir zum Einstieg der Tour. Wieder müssen wir über einen Zaun klettern. Es geht zunächst durch einen Steineichenwald, später erreichen wir felsiges Gelände. Wir wandern auf ca. 900 m durch ein Hochtal bis zu seinem jäh abfallenden Ende (daher der Name "Dach der Welt"). Es ergibt sich ein traumhafter Blick hinunter auf das Dorf Fornalutx und am Horizont auf den Hafen von Soller. Nach einer wohl verdienten Mittagsrast steigen wir ab in Richtung Fornalutx, vorbei an wildem Rosmarin, der hier verführerisch duftend überall wächst.

 


Wilder Rosmarin

 


 

Fornalutx empfängt uns mit typisch mediterranem Flair. Die Sonne scheint, die Bäume hängen prall voll mit Zitronen und Orangen. Wir schlendern durch schmale Gassen mit blühenden, üppigen Pflanzen vor den Türen und sitzen schließlich entspannt in einem Straßencafe bei Orangensaft und Rotwein.

 

 

Anschließend nutzen wir die Gelegenheit, uns von Anita und Roy zu verabschieden und uns für die gute, (wetter-)flexible und kompetente Betreuung herzlich zu bedanken. Die Woche ging viel zu schnell vorbei, was immer ein gutes Zeichen ist…

 


 

Mittwoch, 27. April 2011 - Heimreise

 

Wie üblich müssen wir bis Mittag die Zimmer räumen, werden aber erst abends gegen 18:30 Uhr vom Hotel abgeholt. Die Zeit wird unterschiedlich genutzt – den Markt in Antratx besuchen, Einkäufe tätigen oder ein paar Stunden am Strand liegen. Die Sonne brennt an diesem Tag, als hätte sie was nachzuholen… Ach ja, den berühmt-berüchtigten „Ballermann Nr. 6“ haben wir nicht kennengelernt. Haben aber erfahren, dass es sich dabei um eins von 15 baugleichen Strandlokalen (10 x 3 m plus Terrasse) an der Platje de Palma handelt mit dem spanischen Namen „Balneario“. Da ab einer bestimmten Promillegrenze die korrekte Aussprache offenbar schwerfiel, wurde daraus schnell „Ballermann“. Im Übrigen ist, wie wir hörten, das Servieren von Bier oder Sangria in Plastikeimern mit extra langen Trinkhalmen dort seit Jahren verboten. Also – wegen „Ballermann“ muss man nicht unbedingt nach Mallorca fliegen. Nach unserer Wanderwoche können wir aber bestätigen, dass es genügend andere Gründe gibt, die Insel zu besuchen – oder?!