Wanderberichte

Werner`s (Wunder-) Wanderwelt
Überraschungen in der Mala Fatra - aufgeschrieben von Manfred Strube

 

Die Anregung kam von Werner Seeliger - dem “Senior” der “Krayenburg-Wanderfreunde”.
Er schwärmte des Öfteren von der Mala Fatra - einer wunderbaren Gebirgslandschaft im Nordwestteil der Slowakei. Also - warum nicht mal dort hinfahren?!
Die “Kleine Fatra” ist ein 55 km langer Gebirgszug südöstlich der Stadt Zilina, der mit seinem höchsten Berg - dem “Krivan” immerhin eine Höhe von 1709 m erreicht.

 

 

Der Vorschlag wurde allgemein für gut befunden und in die Planung für 2007 aufgenommen.
Die Organisation war - nebenbei gesagt - nicht ganz so einfach. Immerhin mussten rund 25 Personen angemessen untergebracht werden, die Transportfrage zu dem knapp 1000 km entfernten Wanderziel war zu klären und die Kosten sollten sich schließlich auch in vertretbaren Grenzen halten.
Aber “Wanderhäuptling” Manfred Krause hatte die Sache im Griff und so startete unsere Fahrzeugkolonne - bestehend aus 4 Transportern, besetzt mit jeweils 6 Personen - am Dienstag, den 15.05.2007 abends 20.00 Uhr von Tiefenort aus in Richtung Eisenach / A4.
Die ausgewählte Route verlief über Dresden, Prag und Brno in die Slowakei.
Mir war - ehrlich gesagt - die Aufbruchzeit ziemlich suspekt. Wir würden die ganze Nacht über unterwegs sein und ich fürchtete - trotz Pausen und Fahrerwechsel - die “Stunde der toten Augen”, in der zumindest der den Durchblick behalten musste, der gerade den Platz am Lenkrad einnahm.

Meine Ängste erwiesen sich zum Glück als unbegründet. Die Kolonnenfahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Auch der strömende Regen, der in der Nacht einsetzte, hatte lediglich Einfluss auf unsere Reisegeschwindigkeit (wie auch die Unfälle, die wir sahen).
Es war fast 10.00 Uhr, als wir endlich unser Reiseziel - das Hotel Boboty in der Nähe von Terchova - erreichten. Die Fahrt hatte also - einschließlich der erforderlichen Pausen - fast 14 Stunden gedauert. Und es regnete immer noch …

Das Hotel Boboty ist wunderschön gelegen und es war ein idealer Stützpunkt für unsere Wanderungen. Die Zimmer waren o. k. und es gab ein Schwimmbad (8 x 13 m) und eine Sauna. Von den angebotenen Massagen (15 € für ½ Stunde) wurde während unseres Aufent-haltes rege Gebrauch gemacht (und alle kamen sichtbar gelöst und entspannt davon zurück).
Wie sich herausstellte, gab es am Frühstücks- und Abendbuffet nichts auszusetzen.
Die Preise erwiesen sich insgesamt als moderat. Ein großes Bier (0,5 l) kostete z. B. umgerechnet etwa einen Euro.
Und die kleinen Frischlinge hinter dem Haus waren eine besondere Attraktion …

 

 

Der erste Tag
Wir waren natürlich nicht die Nacht durchgefahren, um uns dann tagsüber ins Bett zu legen. Und so war nach einem gemeinsamen Mittagessen für 15.00 Uhr der Start für eine “leichte” Halbtagswanderung angesetzt. Pünktlich versammelten sich (fast) alle zum Abmarsch vor dem Hotel. Zu denen, die an diesem Tag “schwächelten”, gehörten ausgerechnet Wanderhäuptling Manfred Krause nebst Ehefrau, die vom Schlaf übermannt worden waren.
Diese erste Tour gehörte zweifellos zu den Überraschungsmomenten in der Mala Fatra. Zunächst einmal hatte der Regen aufgehört - eine sehr angenehme Überraschung.
Wir liefen über mit Orchideen bestückte Wiesen, passierten schmale, stellenweise von umgestürzten Bäumen blockierte Pfade und erreichten schließlich die so genannten “Unteren Wasserlöcher”. Dahinter verbarg sich eine wildromantische, vom Wasser ausgeformte Schlucht, die mit leichter Kletterei an Seilen und Leitern zu begehen war. Es war eine schöne und interessante Tour - sie dauerte immerhin ca. 4 Stunden - und keiner spürte mehr sein Schlafdefizit.

 

 

Der zweite Tag
Am nächsten Tag war Himmelfahrt, die Sonne schien und wir hatten alle tief und traumlos geschlafen - kein Wunder nach der vorangegangenen Nachtfahrt.

Angesichts des “hohen” Feiertages, der ausnahmsweise mal den Männern gewidmet ist, entschlossen wir uns zu einer moderateren Tour, welche die Gruni - Hütte zum Ziel hatte.
Natürlich hatte sich Werner (als gewissenhafter Wanderpate) erkundigt, ob die Hütte geöffnet hat. Und natürlich gab es dort auch Bier.
Die Frage, draußen sitzen oder reingehen, erledigte sich schnell, denn es fing wieder an zu regnen. Es war übrigens - soviel sei vorausgeschickt - der letzte Regen für uns in der Mala Fatra. Jedenfalls war der Regen unangenehm und der Weg schlammig und die “Gestalten” - eingehüllt in ihre Regenumhänge - waren teilweise nicht wieder zu erkennen.

Praktisch solche Dinger, oder …?! Und man wird nicht nass - jedenfalls nicht von außen …! Und toll sieht es auch noch aus - einige “Kostproben” gefällig …

 

 

 

Keine Angst, ich verrate nicht, wer das ist …!

Irgendwann hörte der Regen auch wieder auf. Die “Verkleidungen” wurden abgelegt und die Schuhe und Hosen würden wir auch wieder sauber kriegen.

 

 

Peter gab eine Runde “zur Erholung” aus - schließlich war Vatertag.

 

 

Prost !!!
Das war übrigens nicht das letzte “Prost” an diesem Tag. Am Abend wurde erstmal der typisch slowakische “Borovicka” getestet, ein Wacholderschnaps.



Dann ging es in der Bar weiter mit einer überraschenden “Premiere“.
Wir hatten nämlich erstmals unsere “Hauskapelle” dabei in der Besetzung Winfried und Renate Krüger. Manfred verteilte Liederbücher (Jagd- und Volkslieder), damit die “Sangeslust” nicht immer nach der ersten Strophe “verebbte“. Bemerkenswert, was für erschreckend schauerlich schöne Texte da teilweise zum Vorschein kamen, wenn ich z. B. nur an das sterbende Rehlein und seinen letzten Jugendtraum denke …

 

Wie man an den nachfolgenden Bildern sieht, waren alle voll bei der Sache, …

 

 

… wenn auch durchaus deutliche Abstufungen erkennbar sind, was den Grad der Begeisterung anbetrifft.

 

 

Der dritte Tag
Das für den Freitag vorgesehene Wanderziel stellte eine weitere Überraschung dar. Die Besteigung des 1610 m hohen Rozsutec, des dominierenden Berges der Region, stand auf dem Programm.

Dieser felsige Gipfel - wir hatten ihn ja vom ersten Tag an ständig “vor Augen” - sieht von unten nicht gerade einladend aus (siehe auch Seite 1).
Aber Werner versicherte uns, dass die Besteigung kein besonderes Problem darstellen würde. Immerhin waren einige leichte Kletterpassagen zu bewältigen, wenn auch entschärft durch Seile und sonstige Steighilfen.
Natürlich gab es auch die Möglichkeit einer Umgehung des Gipfelaufbaus. Von dieser Alternative machte ein Drittel der Gruppe Gebrauch.
Die “größere Hälfte” bewältigte den Aufstieg, der übrigens richtig Spaß machte. Es kam sogar so etwas wie “Hochgebirgsfeeling” auf, womit die meisten hier wohl nicht gerechnet hatten.

 

Das Gipfelfoto beweist, dass auch Wanderhund Alex den Aufstieg gemeistert hat (wenn auch von “Herrchen“ Michael bei einigen Passagen Hilfestellung gegeben werden musste).

 

 

Nachdem der Berg bestiegen und die Wandergruppe wieder vereint war, glaubten alle an einen “gemütlichen” Rückweg zum Hotel von vielleicht zwei Stunden.
Denkste - das war falsch gedacht.
Der Weg durch die “Oberen Wasserlöcher” erwies sich vor allem im Abstieg als eine nicht ganz einfache Kraxelei über Treppen, Leitern und rutschige Felspassagen, die wesentlich länger dauerte als geplant. Dagegen waren die “Unteren Wasserlöcher” vom ersten Tag doch vergleichsweise harmlos gewesen.

 

 

Der arme Alex hatte mit den schmalen, nassen Leitersprossen auch so seine Probleme …

 

 

Und am Ende waren wir froh, wieder im Hotel zu sein.
Es war doch eine ziemlich anstrengende Tagestour. Aber die Anstrengung hatte sich gelohnt. Wir waren jedenfalls hoch zufrieden mit diesem Tag.
Der vierte (und letzte) Tag
Wir hatten bereits eine Menge gesehen und erlebt in diesen wenigen Tagen. Aber eines fehlte noch - eine richtig schöne Kammwanderung.
Also machten wir uns am Sonnabend auf den Weg zur Seilbahnstation, um ohne größeren Zeitverzug die oberhalb der Baumgrenze liegenden Regionen im Bereich über 1500 m zu erreichen.

 


Wie angenehm ist es doch, in der Seilbahnkabine nach oben zu schweben und sich (ausnahmsweise) mal nicht anstrengen zu müssen (Marli schaut allerdings etwas ängstlich drein oder täuscht das …?).

 

 

 

 

Es war richtig schön da oben und das Wetter war traumhaft. Die warmen Sonnenstrahlen kontrastierten mit den verbliebenen Schneeflächen und verführten fast zum Übermut.
Und Peter war - wie übrigens an den vorangegangenen Tagen auch - eifrig mit der Videokamera aktiv.

 

 

Die Aussicht war nach allen Seiten offen, z. B. auf das Ziel des Vortages, den Rozsutec …

 

 

… sowie auf die Gruni - Hütte und das Hotel Boboty.

 

Ein Teil der Wandergruppe wurde dabei von der Gruni - Hütte so “angelockt“, dass auf die Rückfahrt mit der Seilbahn verzichtet und ein “in die Beine gehender” langer und steiler Abstieg in Kauf genommen wurde. Aber dafür konnte diesmal das Bier auch wirklich im Freien getrunken werden …
Das galt natürlich auch für den anderen Teil der Gruppe, der hier mit Werner in der Mitte in der schon fast zu heiß brennenden Sonne sitzt.

 

 

Apropos Werner - ihm wurde am Abend unter allgemeinem Beifall der ehrenhafte Titel “Internationaler Gebietswanderführer mit Diplom” zugesprochen. Diese mit einem Augenzwinkern verliehene “Auszeichnung” hatte aber durchaus ihren ernst gemeinten Hintergrund. Werner war nicht nur der Initiator dieser Reise, er hatte auch ein gutes Gespür für die richtige Auswahl der Touren bewiesen und war ein guter Organisator.
Und nicht zu vergessen - er kannte sich aus in “seiner Wanderwelt” (auch wenn er mit seinen 77 Jahren erkennen musste, dass im Laufe der Zeit die Berge scheinbar immer höher und steiler werden …). Wie auch immer - herzlichen Dank Werner!

 

Ein kleiner (vorsichtiger) Ausblick
Die Rückfahrt am Sonntag - diesmal bei Tageslicht und herrlichem Wetter - verlief ohne Probleme. Die gute Stimmung verführte wohl dazu, schon mal an Himmelfahrt 2008 zu denken, das auf den 1. Mai fällt. Zu dieser relativ frühen Jahreszeit könnte man vielleicht mal in wärmere Gefilde reisen, z. B. an den Gardasee. Das könnte doch ein lohnendes Ziel sein und man braucht keine 14 Stunden, um hinzukommen. Denken wir mal darüber nach …?!