Wanderberichte

Schwarzbier, BUGA und Kanone
Erlebnistage in Thüringen - aufgeschrieben von Manfred Strube

 

Eine von Napoleons Truppen zurückgelassene Kanone gab ihm seinen Namen, dem Gasthof in Tautenhain, in dem wir uns am 28. September für 5 Nächte einquartierten.

Bei strömendem Regen reisten wir an und das traditionelle Kanonenfest, ein just an diesem Wochenende dort stattfindendes und sich jährlich wiederholendes Spektakel, schien buchstäblich ins Wasser zu fallen.
Zu trostlos wirkten bei diesem Wetter die verlassenen Imbiss- und Verkaufsstände auf dem aufgeweichten Rasengelände des Gasthofes.

Ungeachtet dessen kam trotz schlammbedeckter Schuhe Stimmung auf abends im Festzelt. Dafür sorgte lautstark (aber gekonnt) zunächst eine Schalmaienkapelle, deren Mitgliederzahl etwa in der gleichen Größenordnung lag wie die der Besucher.
Tanzmusik, Bier und “Federweißer” hielten dann den Stimmungspegel weiter hoch. Man muss eben aus jeder Situation das Beste machen …!

 

 

Der erste Tag - Kristalltherme und Kanonenfest
Der Besuch der Kristalltherme in Bad Klosterlausnitz gehörte natürlich ins Programm unserer “Erlebnistage“. Thermalwasserbecken im Innen- und Außenbereich, ein ganzes Saunadorf im Freigelände, Dampfbäder, Massageangebote, Liegestühle und gastronomische Einrichtungen lassen die Zeit nicht lang werden.

 

 

Und sollte jemand vom Vorabend vielleicht noch einen leichten Kater gehabt haben - nach vier Stunden Therme plus zwei Stunden Hin- und Rückmarsch war davon nichts mehr zu spüren.

In Tautenhain hatte indes das Kanonenfest “Fahrt aufgenommen“. Es regnete nicht mehr und sofort hatte sich die Besucherzahl vervielfacht.

 

 

 

Die in historischen Uniformen auftretenden “Napoleaner” und “Lützower” konnten nun bei angemessener Zuschauerresonanz ihre Aktionen zur Schau stellen und auch die Verkaufsstände kamen einigermaßen auf ihre Kosten.
Auch der abendliche Manöverball im Festzelt war gut besucht, wobei sich unsere Mitwirkung diesmal allerdings in Grenzen hielt. Schließlich hatten wir am Vorabend schon ganz schön “zugelangt“.

 

Der zweite Tag - Wanderung durchs Mühlental
Der “Sonntag” wurde seinem Namen erfreulicherweise gerecht - er begrüßte uns mit Sonnenschein.

 

 

Margit hatte an diesem Tag Geburtstag - ein guter Grund, um vor dem Start zur Wanderung erstmal auf ihr Wohl anzustoßen. Danach wurden die an der Losbude erzielten Kleingewinne spontan zu einem “Geburtstagsgeschenk” zusammengelegt (ob sie nun wollte oder nicht).

 

 

Doch nun zum Mühlental:
Wie heißt es im Prospekt so schön: “Einer Kette gleich, reihen sich die ehemaligen Mahl- und Schneidmühlen entlang der Rauda aneinander.”

Der einstige Mahl- und Sägewerksbetrieb ist allerdings wegen Unwirtschaftlichkeit und der abseitigen Lage längst eingestellt und durch andere Nutzungsarten ersetzt worden. Die zahlreichen Wanderer und Radfahrer wissen`s zu schätzen.
Der relativ harmlos wirkende Raudenbach hatte sich übrigens infolge der vorangegangenen

außergewöhnlichen Regenfälle noch am Vortag unserer Wanderung viel weniger friedlich dargestellt. Die “Hochwassermarken” waren überall deutlich sichtbar. Die Schäden hielten sich jedoch wegen der gut ausgebauten, mit Steinmauern gesicherten Uferbereiche in Grenzen. Der kleine Fahrweg war nur an einer Stelle leicht unterspült worden.

 

 

An der Pfarrmühle, wo sich niemand an ein Hochwasser vergleichbaren Ausmaßes erinnern konnte, war man noch mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Ungeachtet dessen lief aber der Gaststättenbetrieb wieder reibungslos.

 


Leider brauchte der mit Forellen bestückte Räucherofen noch etwas Zeit, so dass wir uns mit den Angeboten mit frischen Pfifferlingen zufrieden gaben. War aber auch nicht schlecht.
Als wir von unserer Mühlenwanderung zurückkamen, war in Tautenhain das Kanonenfest noch immer im Gange. Es gab reichlich zu essen und zu trinken und - ein Höhepunkt des Abschlusstages - es wurden aus dem Karton mit den abgegebenen Eintrittskartenabschnitten die Gewinner des Festes ausgelost.
Es gab eine Menge Preise zu verteilen und die Gewinner waren - wie sollte es auch anders sein - fast ausschließlich Ortsansässige aus Tautenhain und Umgebung. Aber der Hauptgewinn - ein kostenloses Wochenende im Gasthof zur Kanone - der blieb nicht am Ort. Den “schnappte” sich nämlich einer von unserer Wandergruppe. Das Los traf Walter, der unter lautstarker Anteilnahme den Preis entgegennahm.

 

 

Der dritte Tag - Alles wird gut … in Bad Köstritz
Auf diesen Tag hatten sich die meisten wohl besonders gefreut. Das Wetter war sonnig und warm und es stand eine Wanderung nach Bad Köstritz und der Besuch der dortigen Schwarzbierbrauerei auf dem Programm.

 

 

Zunächst war in Bad Köstritz aber erstmal etwas anderes wichtig, nämlich eine kurze “Stippvisite” in dem Modelädchen, das beim Kanonenfest eine Modenschau präsentiert hatte. Davon waren unsere Frauen nicht abzuhalten.

Doch dann standen wir vor der Brauerei - und blitzten erst einmal ab. Eine Dame erklärte uns ziemlich “kurz angebunden”, dass man nichts von unserem Termin wisse. Und Tschüss!
Wir fühlten uns nicht nur unfreundlich, sondern auch ungerecht behandelt. Hatten wir doch - allerdings auf dem Umweg über unseren Gasthof - eine eindeutige Zusage erhalten.
Nach ein paar Telefonaten wendete sich aber das Geschick. Der Leiter Sponsoring bemühte sich persönlich aus der Chefetage ans Eingangstor, begrüßte uns freundlich und klärte das Missverständnis auf. Wir bekamen nun doch noch unsere Führung - wo immer der Fehler auch gelegen haben mag. Dafür auch von dieser Stelle unseren herzlichen Dank.

 

 

Die Führung wurde von einer jungen Frau durchgeführt, die in der Brauerei für Qualitätssicherung zuständig war. Wir erfuhren eine Menge interessanter Details über Investitionen, Technologie, Einsatzstoffe, Marktstrategie etc.

 

 

Die Köstritzer Brauerei wurde nach der Wende von der Bitburger Brauerei übernommen und zu einer der modernsten und größten Brauereien Thüringens ausgebaut. Edelstahl, wohin man blickt, modernste Maschinen, Prozessleittechnik - das war durchaus überzeugend.
Wir erfuhren, dass Köstritzer Schwarzbier deutschlandweit Marktführer ist und in über 30 Länder exportiert wird.

Manches wussten wir natürlich auch längst (vor allem wir Männer), z. B. dass regelmäßiger (allerdings mäßiger) Biergenuss gesundheitsfördernder ist, als totale Abstinenz …!
Neu war uns dagegen, dass das Biermischgetränk “bibop” Naturkoffein aus der Guarana-Pflanze enthält, das wegen seiner belebenden und stimulierenden Wirkung auch als “Bauern-Viagra” bezeichnet wird.
Ein wenig neidisch waren wir, als wir erfuhren, wie viel Deputat die Mitarbeiter der Brauerei bekommen …! Jedenfalls genug für einen sehr regelmäßigen Biergenuss.
Die Führung endete (nach immerhin 1½ Stunden) da, wo sie begonnen hatte - nämlich am Eingangstor. Insgeheim hatte dieser oder jener gehofft, noch auf ein “schwarzes Bierchen” eingeladen zu werden. Aber das wäre wohl zu viel des Guten gewesen.

Jedenfalls hatten wir alle mächtig Appetit und Durst bekommen - und erlebten beinahe gleich die nächste Enttäuschung. Michael und Renate, die wegen Hund Alex natürlich nicht an der Brauereiführung teilgenommen hatten, empfingen uns mit der deprimierenden Mitteilung, dass alle Gaststätten im Umkreis am Montag geschlossen hätten.
Einzige Alternative war das “um die Ecke” gelegene Hotel “Goldener Löwe”, das allerdings auch 14 Uhr - also in einer guten Viertelstunde - schließen würde. Die Tische vor dem Hotel waren jedenfalls schon “angekettet”.
Aber wie schon bei der Brauereibesichtigung wendete sich auch hier alles zum Guten. Die Tische wurden wieder freigegeben und wir wurden bestens bewirtet. Auch in diesem Fall herzlichen Dank - so stellen wir uns Thüringer Gastlichkeit vor.

 

 

Und jetzt konnten wir endlich auch das Köstritzer Schwarzbier so richtig genießen. Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir nicht noch beinahe 10 km Rückweg vor uns gehabt hätten …!
Auf jeden Fall hat dieses Getränk jetzt einige “Fans” mehr.

Der vierte (und letzte) Tag - die Bundesgartenschau
Der Tag begann mit einer “Irrfahrt” unserer Fahrzeugkolonne, die uns von Tautenhain schließlich über die A9 und das Hermsdorfer Kreuz nach Gera führte. Dabei wäre es über Bad Köstritz nur “ein Katzensprung” gewesen …!
Ohne vorherige Absprache bog das (selbsternannte) Führungsfahrzeug mit Manfred als Fahrer und Norbi als “Navigator” schon beim Start in die falsche Richtung ab - und alle anderen folgten (zögernd zwar, aber mit dem Gedanken, dass bekanntlich “viele Wege nach Rom” führen). Wir nahmen`s gelassen - und bekamen am Abend “Freibier”.

Die BUGA teilten sich ja bekanntlich die Städte Gera und Ronneburg, wobei man bequem und kostenlos mit den Shuttle-Bussen von einem Ort zum anderen gelangen konnte.

Bei leider nicht so schönem Wetter - es war diesig und kühl - begannen wir unsere Besichtigung in Gera, nachdem Hund Alex an einer der Hundestationen eine Bleibe gefunden hatte (Hunde durften nicht auf das Gelände!).

 

 

Die Dahlien standen noch in voller Blüte. Es gab etliche Anregungen für passionierte Hobbygärtner und die Blumenpracht in der Halle war schon sehenswert.

 

 

Der Ronneburger Teil der BUGA hatte einen deutlich anderen Charakter als der in Gera. Das Gelände ist etwa 3 mal so groß und mit seinem tiefen Taleinschnitt ganz anders strukturiert. Interessant war es auch deshalb, weil hier eine vom ehemaligen Wismutbergbau geprägte Region im wahrsten Sinne des Wortes in eine “blühende Landschaft” umgewandelt worden ist.
Bei einer Rundfahrt mit dem “Buga-Express” konnte man sich zunächst einen Überblick über das weitläufige Gelände verschaffen und bekam die einzelnen Ausstellungsteile erläutert. Das erleichterte den späteren Rundgang.

 

 

 

Bemerkenswert fanden wir die vom Volksmund so getaufte “Drachenschwanzbrücke”, die den Taleinschnitt überspannt und einem so eine Menge Treppen erspart.

 


Weitere Kunstobjekte und Bauwerke waren über das Gelände verteilt. Dazu gehörten z.B. die längste Bank der Welt (steht im Ginness-Buch der Rekorde), ein einfallsreich nach den Elementen Feuer, Wasser und Erde gestalteter Kinderspielplatz, zahlreiche originelle Skulpturen aus Schrott und eine ganze Herde des (auch käuflich zu erwerbenden) Blauschafes “Rosa”.

In einer Wismut-Ausstellung konnte man sich über die aufwändige (und teure) Sanierung der ehemaligen Bergbaulandschaft informieren.

 

 

 

So! Das war also die BUGA. Knapp zwei Wochen nach unserem Besuch - am 14.10.2007 - schloss sie ihre Pforten. Hoffen wir, dass es gelingt, ein tragfähiges Nachnutzungskonzept für das Gartenschaugelände umzusetzen.

Und damit endeten auch unsere “Erlebnistage” in Thüringen.
Am nächsten Morgen war Heimfahrt. Leider ging nicht alles glatt, wie das nachstehende Bild zeigt. Aber zum Glück ist weiter nichts passiert …!

 

 

Manfred beim “Benzin sparen”…!