Hoch Rhön - Hochrhöner
Bericht einer Bergtour - aufgeschrieben von Manfred Strube
Teil 1: Bad Salzungen - Bernshausen - Föhlritz
“Die Pleß-Kuppe ist total vereist, wir kommen mit keinem Fahrzeug
hoch, nicht mal mit Allradantrieb. Selbst zu Fuß hat man Probleme.”
Das war die Nachricht, die mir der Hüttenwart unseres “Hausberges”
zwei Tage vor unserer ersten Wanderung im Jahr 2008 zukommen ließ.
Und der Pleß war auf dieser ersten Wanderung, die uns am 12./13. Januar
auf dem “Hochrhöner” von Bad Salzungen zunächst nach
Bernshausen und dann weiter bis nach Föhlritz führen sollte, immerhin
ein wichtiges Zwischenziel.
Zwei Tage später hatten sich dann die Verhältnisse allerdings schon
wieder deutlich entspannt. Plustemperaturen und Streudienst hatten die Zufahrt
wieder möglich gemacht. So konnten wir die erste “Doppeletappe”
des Wanderjahres 2008, in dem wir den Premiumwanderweg “Der Hochrhöner”
komplett ablaufen wollen, ohne Abstriche in Angriff nehmen.
Startpunkt war am 12.01.2008 um 9 Uhr der Bahnhof in Bad Salzungen, wo das
obligatorische Startfoto gemacht wurde.

Heidi und ich fehlen auf dem Startfoto. Nach der Durchquerung der Stadt führt
der Hochrhöner nämlich durch die Kleingartenanlage Zelleroda und
damit direkt an unserem Garten vorbei.
Dort hatten wir als kleine Überraschung einen Willkommenstrunk vorbereitet.
Auf das neue Jahr, auf den Beginn des Wanderjahres, auf den Startschuss für
den Hochrhöner - passende Gründe fanden sich genug.

Das erste Teilstück des Weges führte uns dann nach Langenfeld und weiter bis zum Wanderparkplatz Polsambach. Dort legten wir eine Rast ein, um all denen, die noch nicht (oder nicht ausreichend) gefrühstückt hatten, Gelegenheit zum “Auftanken” zu geben.
Der Aufstieg zum Pleß erwies sich dann als relativ unproblematisch. Ungeachtet dessen musste man jedoch an einigen Wegstrecken, die immer noch vereist waren, schon sehr aufpassen. Gut, dass fast alle ihre Wanderstöcke dabei hatten.

Auf dem Pleß waren wir beileibe nicht die einzigen. Auch andere Wanderer
und sogar Radfahrer hatten sich trotz der widrigen Bedingungen dort eingefunden.
Da wir angemeldet waren, hatte man den Raum vor dem Turm für uns reserviert.
Mit 17 Personen fanden wir dort ausreichend Platz und das Holzfeuer prasselte
anheimelnd im Kamin.
Die Versorgung auf dem Pleß ist für eine solche Wanderhütte
absolut ausreichend. Es gibt neben kalten und heißen Getränken
u. a. Bockwurst, Linsensuppe, Fettbrot und sogar leckeren Kuchen - und das
alles zu moderaten Preisen.
Dem Rhönclub Breitungen, der die Hütte bewirtschaftet, möchten
wir an dieser Stelle mal ein Kompliment machen für den engagierten Einsatz
seiner Mitglieder.
Schade nur, dass unser (gut erzogener) Wanderhund Alex (eigentlich) nicht
mit in die Hütte durfte. In den meisten Alpenhütten, die wir kennen,
ist das in aller Regel kein Problem.
Wie dem auch sei - gut aufgewärmt und sehr zufrieden mit der Bewirtung machten wir uns an den Abstieg nach Bernshausen.

Auch hier hieß es wieder aufpassen und möglichst nicht auf dem
blanken Eis ausrutschen, das den Weg teilweise noch bedeckte.
Es ist ein schöner Wanderweg, der da um die Stoffelskuppe herum zur Bernshäuser
Kutte führt und den die meisten von uns noch nicht kannten. Positiv registrierten
wir außerdem, dass er sehr gut markiert ist. Das Hochrhöner-Zeichen
findet sich in relativ kurzen Abständen an den Bäumen, ein Verlaufen
ist eigentlich kaum möglich.
Im Landhotel “Zur grünen Kutte” endete dann der erste “Hochrhöner-Tag”.

In angenehmer Atmosphäre gab es reichlich Gelegenheit, die Lebensgeister wieder aufzufrischen. Wilfried hatte sein Akkordeon mitgebracht und so erlebte unser selbst kreiertes Wanderlied an diesem Abend sozusagen seine “Uraufführung”.

Am nächsten Morgen war es bitterkalt.
Das Thermometer am Pfosten vor dem Hauseingang zeigte minus 8 °C und so
fühlte es sich auch an. Wir beeilten uns, um “in die Gänge”
zu kommen und waren froh, dass es in Richtung “Horn” gleich erstmal
“schön” bergauf ging.
Wenn man das “Horn” hinter sich gelassen hat und aus dem Wald
heraustritt, sieht man Wiesenthal vor sich liegen.

Die Sonne versuchte, die morgendliche Kälte etwas abzumildern, was ihr
aber nicht so recht gelingen wollte. Uns störte das jetzt nicht mehr.
Im Gegenteil. Wir genossen das Wechselspiel zwischen Sonne und Frühdunst
und empfanden einmal mehr die Schönheit unserer heimatlichen Rhön.
Hinter Wiesenthal ging es zur Abwechslung erstmal wieder bergauf. An einem Rastplatz machten wir kurz halt. Obwohl die Sonne jetzt allmählich die Oberhand zu gewinnen schien, blieb es weiter ziemlich kalt.

Durch das unter Naturschutz stehende Waldgebiet “Ibengarten”
marschierten wir abwärts in Richtung Glattbach.
An Schautafeln kann man sein Wissen über die langsam wachsende Eibe,
die bis zu tausend Jahre alt werden kann, auffrischen. Holz, Rinde, Nadeln
und Samen des immergrünen Nadelbaums enthalten das giftige Taxin. Trotzdem
soll die Eibe - laut Schautafel - bis heute in der Volksmedizin als Heilpflanze
Verwendung finden. Es ist eben alles eine Frage der Dosierung - wie man sieht.
In Glattbach trafen Heidi und Norbi offenbar einen guten Freund, den sie herzlich begrüßen mussten.

Dann ging es - zum wiederholten Mal an diesem Tag - steil bergauf. Die Sonne
hatte beim Aufstieg zum Gläserberg nun offenbar den Kampf aufgegeben.
Jedenfalls versteckte sich die 670 m hoch gelegene Dermbacher Hütte im
dichten Wolkendunst und war erst sichtbar, als wir praktisch unmittelbar davor
standen.

Wir verzichteten auf eine Einkehr, denn unser Ziel, das “Gasthaus zum
Hobbywirt” in Föhlritz war nun wirklich nicht mehr weit.
Wir waren eher dort als angekündigt. Die Kälte des Januartages hatte
uns wohl etwas schneller laufen und etwas weniger Pause machen lassen als
geplant.
Vielleicht lag es ja auch daran, dass wir zumindest an diesem Tag ein kleines
Fragezeichen hinter diesen Spruch setzen mussten.

"Hier ist der Wanderer willkommen" (!?)
Der Bus brachte uns am späten Nachmittag von Föhlritz dann wieder zurück nach Hause. Es waren zwei schöne, wenn auch ziemlich kalte Tage, die da zu Ende gingen. Aber es ist ja schließlich Winter.
Und zum Wanderweg können wir bis dahin nur sagen: Ein Hoch dem Hochrhöner!
Teil 2: Föhlritz - Kaltennordheim - Frankenheim
Ein Hoch lag über Deutschland am 8. und 9. Februar 2008.
Die zweite Doppeletappe des Hochrhöners stand wettermäßig
also unter einem besonders günstigen Stern. Kühle, sogar noch frostige
Nächte, aber sonnige Tage und erste Frühlingsboten sollten uns erwarten
bei dieser Wandertour.

In bester Stimmung stellten wir uns zum Startfoto. Der Weg führt von Föhlritz aus zunächst in Richtung Andenhausen. Der Gläserberg versteckte sich diesmal nicht. Weithin sichtbar grüßte die Dermbacher Hütte unter einem freundlich blauen Himmel.

Das schöne Wetter verführte zum Bummeln. Wir machten öfter
Rast und ließen uns Zeit. Am Katzenstein entschieden wir uns sogar “außerplanmäßig”
zu einer Einkehr und stellten bald fest, dass man auf der Terrasse - auch
wenn dort noch nicht bedient wurde - herrlich in der Sonne sitzen konnte.

Hinter Andenhausen teilt sich der Hochrhöner in eine westliche und eine
östliche Variante. Wir wählten diesmal die östliche Route über
das Plateau der Hochrhön.
Die westliche Route über die Kuppenrhön bleibt einem späteren
Termin vorbehalten.
Der Hochrhöner erstreckt sich übrigens insgesamt über eine
Länge von 180 km und überquert dabei drei Ländergrenzen.

Und wenn man auf dem Weg gelegentlich alten Grenzbefestigungsanlagen begegnet,
so erinnert das daran, dass man hier nicht immer so entspannt wandern konnte.
Im Licht der Nachmittagssonne erreichten wir schließlich Kaltennordheim,
unser Tagesziel und bezogen Quartier im Hotel zum Löwen.

Am anderen Morgen war es wieder ganz schön “frisch” und wir
suchten beim Startfoto sofort die wärmenden Sonnenstrahlen.

Im “Löwen” waren wir übrigens sehr zufrieden mit der Bewirtung. Das Essen war ausgezeichnet und der Wirt hatte alles “voll im Griff”. Das kann man durchaus weiterempfehlen.

Hinter Kaltennordheim führte uns der Weg teilweise über Wiesen,
die aber zum Glück nicht matschig, sondern noch hart gefroren waren.
Im weiteren Verlauf merkte man an Schnee- und Eisresten, dass wir uns langsam
dem mit 813 m höchsten Punkt der thüringischen Rhön, dem Ellenbogen,
näherten.

Das Eisenacher Haus ließen wir “links” liegen. Es war Mittagszeit
und die vollen Parkplätze signalisierten, dass offenbar eine Menge Leute
die bequemere Variante eines Sonntagsausflugs gewählt hatten.
Stattdessen “pilgerten” wir weiter zum Thüringer Rhönhaus,
das ein paar hundert Meter abseits vom Hochrhöner liegt.
Natürlich war es dort auch voll - aber es gab eine Terrasse. Und schnell
hatten wir die gestapelten Bänke und Stühle an die Holzwand gestellt
und konnten die warmen Sonnenstrahlen genießen.

Tische brauchten wir nicht, da wir vor allem etwas trinken wollten. Und die
Getränke wurden prompt geliefert. Die junge Frau, die uns bediente, war
herzerfrischend nett. Man merkte, dass sie offenbar ihren Beruf gern ausübt.
Jedenfalls fühlten wir uns so wohl dort, dass wir sitzen blieben bis
die Sonne in die Baumwipfel eintauchte und es sofort empfindlich kühler
wurde.
Es war jetzt nicht mehr weit bis nach Frankenheim, dem Endpunkt dieser Tour.
Frankenheim ist übrigens der höchstgelegene Ort in der Rhön,
es liegt laut Karte nur wenig unterhalb von 800 m.
Nochmals ging es - bei strahlend blauem Himmel - über mit Restschnee
bedeckte Wegstellen. Aber auch die ersten Frühlingsboten waren nicht
zu übersehen.

Der Tag endete schließlich in der “Schweinebucht”.
Nein, nein, wir sind nicht “unter die Räder” geraten. Es
handelt sich um eine (offenbar gut gehende) Gaststätte in Frankenheim,
die - so sagt man - sich bei ihrer Namensgebung schließlich dem Volksmund
gebeugt hat.

Hier konnten wir gut die Zeit verbringen, bis uns der Bus wieder abholen würde
zur Heimfahrt.
Fazit: Ein Winter-Wander-Wochenende bei wunderbarem Wetter, wie man es sich besser kaum wünschen kann. Was will man mehr !!!