Wanderberichte

Unterwegs auf dem europäischen Fernwanderweg E 5

 

Eine gehörige Portion an landschaftlicher Vielfalt und Reizen bietet der zweite Teil des europäischen Fernwanderweges E 5. Während der erste Teil über die Alpen nach Bozen führt, ist der zweite Teil lieblicher, aber nicht weniger anstrengend. Im zweiten Teil geht es in sechs Tagesetappen von den Hochalmen Südtirols in südliche Gefilde zum höchstgelegenen Badeort Europas, Vetriolo Therma auf 1800 m.

 

Bestens organisiert wird die Wanderwoche von der Alpinschule Oberstdorf. Unsere Gruppe umfasste insgesamt 13 Teilnehmer, die von dem versierten Kleinwalsertaler Bergführer Georg Kaufmann betreut wurde. Ausgangspunkt war die Talstation der Kohlerer Bergbahn in Bozen, eine der ältesten Bergbahnen überhaupt, die uns von 300 auf 1100 Meter Meereshöhe brachte. In dreistündiger Wanderung ging es zum ersten Etappenziel Deutschnhofen. Die heimelige Südtiroler Gaststätte Stern in der Dorfmitte war unser Quartier.

 

Ein kultureller Höhepunkt mit dem bedeutendsten Südtiroler Wallfahrtsort Maria Weißenstein folgte gleich am nächsten Tag. Auf 1520 m thront die Wallfahrtskirche hoch über dem Etschtal. Der Weiterweg führte zum Butterloch mit dem Wasserfall des Bletterbachs, der inmitten roter Porphyrwände 40 Meter in die Taubenleckklamm stürzt. Südtiroler Spezialitäten wie Knödel oder Gerstensuppe genossen wir in der nahen Lahneralm. Bergauf, bergab ging es weiter bis wir nach 7-stü:ndiger Gehzeit Truden, den südlichsten Teil des deutschen Sprachgebiets erreichten.

 

Weniger anstrengend war der dritte Tourentag. Über die Hornalm ging es auf das Trudner Horn (1780 m).Fantastisch von hier oben waren die Ausblicke in die Dolomiten, über das Etschtal zu den Ötztaler Alpen, in die Ortler Gruppe und in die Brenta. Nach vier Stunden hatten wir das reizvoll gelegene kleine Dorf Gfrill, hoch über Slurn, im Naturpark Trudner Horn, erreicht.

 

Viel Schweiß kostete dann der vierte Tag. Zunächst ging es 20 Kilometer durch den Salurner Wald, vorbei an Hochmooren, über die Höhenrücken von Etschtal und Cembratal bis wir nach vier Stunden den Lago Santo (Heiligensee) auf 1200 Meter erreichten. Nach einer ausgiebigen Rast stiegen wir zu den Weinbergen des Cembratales ab und erreichten nach sieben Stunden Gehzeit unser Hotel Piramidi in Segonzano. Schon Albrecht Dürer wusste die Reize des Cembratales zu schätzen, nicht von ungefähr verweilte er bei seiner Italien-Reise mehrere Tage in Segonzano. Geprähz wird dieses Tal von großen Weinterassen aber auch von gewaltigen Prphyr-Steinbrüchen.

 

Vorbei an den berühmten Erdpyramiden von Segonzano erreichten wir am folgenden Tag Bedollo. Über die Alpe Stramailo und den Passo Polpen kamen wir am fünften Tag nach Palai im Fersental wo im 19.Jahrhundert noch Erzbergbau betrieben wurde. Eine anstrengende Etappe folgte anderntags. Am Lago Erdomolo vorbei geht es hoch in die Lagorai-Gebirgsgruppe auf Höhen über 2000 Meter und über das Weitjoch gelangen wir schließlich ans Ziel der Wanderwoche, den Bäderort Vetriolo Therme. Im vorzüglichen Hotel Compet blicken wir zurück auf eine traumhafte Wanderwoche bei bestem Wanderwetter Ende Mai/Anfang Juni. Am anderen Tag bringt uns der Bus über Levico Therme-Trient-Auer wieder zu unserem Ausgangspunkt der Kohlerer Seilbahn in Bozen zurück.